PM wollen gegen den Trend mehr Menschen zur Pferdezucht animieren

Die Persönlichen Mitglieder der FN wollen in diesem Jahr mehr Menschen für die Pferdezucht interessieren und planen eine ganze Reihe von Informationsveranstaltungen. Anlass ist der drastische Rückgang der Bedeckungen in allen Rassen in den vergangenen Jahren, der bei rund 40 Prozent liegt. Wurden zum Beispiel 2008 noch 52829 Warmblutstuten besamt, so waren es 2013 nur noch 29728 und der Trend hat sich fort.
Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens HorseFuture sind nur 20 Prozent der 1000 befragten Züchter und Zuchtinteressierten mit der deutschen Pferdezucht zufrieden. Die Mehrheit (59 %) sind teilweise zufrieden und 21 Prozent unzufrieden. Von den Unzufriedenen wurde immerhin zu 45 Prozent bemängelt, dass der Gesundheit zu wenig Beachtung geschenkt wird und eine überwältigende Mehrheit von 71 Prozent kritisierte die mangelnde Rücksicht auf die altersmäßige Entwicklung der Pferde.
Der Hauptgrund den Züchter für die Aufgabe der Zucht angaben lag mit 49 Prozent bei den Kosten, denn nicht nur die Aufzucht der Pferde ist teurer geworden, auch sind „rohe“ Pferde kaum noch zu verkaufen, sodass für den Züchter noch Ausgaben für das Anreiten und den weiteren Beritt bis zum Verkauf der Pferde hinzukommen. Kosten, die durch die Käufer in der Regel nicht honoriert werden.

Paul Schockemöhle. „Totilas war eine Fehlinvestition“

Fohlengala Bargstedt 2013 Totilas-Fohlen Schritt
Totilas-Fohlen

„Ich will beweisen, dass ich die besten Sportpferdezüchten kann.“ sagte Paul Schockemöhle in einem Interview mit der „Welt“. Doch offenbar lässt sich Zuchterfolg weder durch rigoroses Selektieren bereits im Fohlenalter, noch durch Geld erzwingen. Pferdezucht ist eine langwierige Angelegenheit, nicht nur weil es elf und manchmal sogar zwölf Monate dauert, bis ein Fohlen auf der Welt ist und es dann noch mindestens drei Jahre dauert, bis es zum ersten Mal einen Reiter tragen kann. Der eigentliche Wert – vor allem züchterisch – ist erst viel später zu erkennen, wenn nämlich so ein Zuchtpferd nach einem langen gesunden und erfolgreichen Leben auch ebenso gesunde und langlebige und erfolgreiche Nachkommen hinterlassen hat.
Doch in einem Zeitalter der Superlative, da alles das beste, schönste, erfolgreichste oder teuerste sein muss, um überhaupt Beachtung zu finden, wird eben auch ein Pferd zum „besten der Welt“ hochstilisiert, nur weil sich diese arme Kreatur von einem Reiter hat zusammenpressen lassen und seine, aus dieser körperlichen Fehlhaltung resultierenden unnatürlichen Bewegungen vom Publikum als spektakulär bestaunt und von Dressurrichtern mit Höchstnoten bewertet wurden.
Diese Anlage, sich verbiegen zu lassen; geht auf Kosten der Gesundheit und das ist es was so ein Hengst in der Zucht weitervererbt. Tatsächlich gab es genug Züchter, die 8000.- € ausgegeben haben, um ein instabiles Fohlen zu produzieren…..
Hier noch zwei Auszüge aus dem Interview zu Schockemöhles Zuchtpolitik und seiner Einschätzung von Totilas:
Die Welt: „Sie sind gerade 70 Jahre alt geworden. Ist es für Sie wichtig, ob Sie 3000 oder 4000 Pferde hier auf dem Gestüt haben?“
Paul Schockemöhle: „Mein Betrieb hat die richtige Größe, wir wollen nicht mehr wachsen. ( Ein Riesengelände mit 2700 Hektar, auf dem zu DDR Zeiten fünf LPG´s mit fast 1000 Mitarbeitern wirtschafteten. Schockemöhle hat heute dort 250 Beschäftigte.) Aber es gibt noch Ziele für mich. Vergangenes Jahr haben wir etwa 100 Pferde aus unserer Zucht im internationalen Reitsport gehabt, daraus müssen 1000 Pferde werden. Ich will beweisen, dass ich die besten Sportpferde züchten kann. Ich will die Qualität und die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Mein Gestüt lebt von den 20 Prozent unserer besten Pferde, das will ich steigern. Mein Vater hat Pferde und mein Großvater Rinder gezüchtet. Ich habe dieses Gen mitbekommen.“

Die Welt: „Ist es Luxus, für zehn Millionen Euro das damals teuerste Pferd der Welt kaufen zu können?“
Paul Schockemöhle: „Sie meinen „Totilas“, da ist so ziemlich alles schiefgelaufen, was schieflaufen kann. Vor dem Kauf war es das beste Pferd der Welt und hat alles gewonnen, inklusive der Weltmeisterschaften. Ich habe nur die Zuchtrechte teilweise behalten und die Reitrechte verkauft. Nach ersten Erfolgen wurde er lahm. Im ersten Jahr haben wir noch zwei Millionen Euro aus seinem Samen eingenommen, jede Portion für 8000.- Euro. Jetzt ist er wieder im Training und wird im nächsten Jahr möglicherweise erneut in der Zucht eingesetzt. Wenn Sie so wollen, war „Totilas“ eine Fehlinvestition. Aber meine grauen Haare hatte ich schon vorher.“